Religionsunterricht

Religiöse Vereinigungen haben eine Verantwortung bei der Vermittlung menschlicher und kultureller Werte. Dies zeigt sich unter anderem an Schulen. Gemäß Artikel 7, Absatz 3 des Grundgesetzes ist „Religion“ an öffentlichen Schulen ordentliches Unterrichtsfach. Der Unterricht soll gegeben werden „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“. Das bedeutet: Anerkannte Religionsgemeinschaften haben grundsätzlich ein Recht, Schülern ihrer Konfession die jeweils eigene religiöse Weltsicht zu vermitteln. Das Hamburger Schulgesetz betont aber auch, dass der Religionsunterricht „im Geiste der Achtung und Toleranz gegenüber anderen Bekenntnissen und Weltanschauungen“ zu erteilen ist.

In der Weltstadt Hamburg gibt es seit einigen Jahren eine Besonderheit: Der dialogische „Religionsunterricht für alle“ soll Wissen über alle großen Weltreligionen vermitteln. Bisher stand dieser in der Verantwortung der Nordelbischen Kirche. Angeregt durch die langjährige Arbeit des „Interreligiösen Forums Hamburg“, beteiligte sie Muslime, Aleviten, Buddhisten, Hindus und Bahai an der Erstellung von Unterrichtsmaterialien und Lehrplänen.

Seit dem Abschluss von Grundlagenverträgen mit muslimischen und alevitischen Gemeinschaften mit der Freien und Hansestadt Hamburg wird an einigen Schulen das Fach Religion in gemeinsamer Verantwortung unterrichtet – von Nordelbischer Kirche, Jüdischer Gemeinde, muslimischen Verbänden und der Alevitischen Gemeinde. Wir Buddhisten können aber weder an den Lehrplänen mitarbeiten noch eigene Lehrer stellen. Dies sehen wir als eine klare Benachteiligung.

Sollen Hamburger Buddhisten einen eigenen Religionsunterricht an Schulen geben – für Kinder mit buddhistischem Hintergrund bzw. solche, die sich aus freien Stücken dafür entscheiden? Es gibt Beispiele:

In Berlin wird seit 2003 an Schulen ein buddhistischer Religionsunterricht angeboten. Die Verantwortung trägt die Buddhistische Gesellschaft Berlin e. V., im Auftrag der Deutschen Buddhistischen Union. Auch in Österreich wird das Fach Buddhistische Religion seit 1993/94 in mehreren Bundesländern an öffentlichen Schulen gelehrt und ist für die Maturaprüfung (Abitur) zugelassen. Es existieren umfangreiche Unterrichtsmaterialien und Rahmenpläne für buddhistischen Religionsunterricht in deutscher Sprache.

Viele betrachten den einseitigen, rein konfessionsgebundenen Religionsunterricht als nicht mehr zeitgemäß. Auch wir halten den dialogischen „Religionsunterricht für alle“ für den besseren Weg. Kinder sollen – auf der Grundlage von umfassender und ausgewogener Information – sich eine eigene Meinung in religiös-weltanschaulichen Dingen bilden. Damit der „Religionsunterricht für alle“ seinem Anspruch gerecht werden kann, fordern wir: Gleichberechtigte Beteiligung von Buddhisten und Hindus bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien und Lehrplänen, die Möglichkeit der Ausbildung von eigenen Lehrern bzw. Schulungsmöglichkeiten für Lehrer anderer Religionen, die im Religionsunterricht buddhistische Inhalte mit lehren.